kapitel5vonteil2


Kapitel V von Teil II 

Ich ha grad zum dritte Mal de Bsuech vom Gfängnis-Seelsorger abglehnt. Ich wüsst nid, was ich mit ihm beschpräche sött, und ich mag sowieso nid rede - und usserdäm gsehn ich ihn no früeh gnueg. Z’einzige, was mich jetzt no interessiert isch, wie me de Apparat überlischte cha, wie me em Unvermiidbare entrinne cha. Ich bin in en anderi Zälle verlageret worde. I däre neue Zälle han ich chönne uf em Rugge ligge und eso de Himmel gseh - nüt anders. Die ganzi Zyt han ich zuegluegt, wie d’Farbe vom Himmel sicher verfärbed, de Tag sich mit de Nacht abwächslet. Ich ha mit de Händ hinterem Chopf ufegschtarrt und eifach nume abgwartet. Ich bi vom Gedanke an es Schlupfloch besässe gsi. Es het mich wundergnoh, obs Fäll vo Verurteilte gäh het, wo em Schtaatsapparat irgendwie entrunne sind, im letschte Momänt us em polizeiliche Gfangetransport entcho sind, de Chopf unter de Guillotine vürezoge händ, bevor ds Bieli abecho isch. Ich ha mich immer wieder drüber gergeret, dass ich nid meh Zytigsbricht über Hiirichtigsfäll gläse ha. Me sötti sich jederzyt für söttigi Sache interessiere. Me weiss ja nie, was eim alles erwartet. Natürlich han ich i de Zytige scho Bricht über Exekutione gläse. Aber es giebt doch sicher au Fachbüecher über das Thema - nume bin ich nie gnueg interessiert dra gsi. Und i däne Büecher hetti ich vilicht Fluchtgschichte chönne gfinde. Sicher hetteds mer vo mene Fall verzellt, wo’d Todesmaschine uufghalte het chönne wärde; wenn au nume vo eim Fall, eim einzige, wo vill Glück mitgschpillt hetti. Wenigschtens ei Fall. Ich ha irgendwie dänkt, ei einzige söttige Fall würdi mich chönne zfrideschtelle. 

D’Zytige schriibed hüüfig vonnere “Schuld an der Gesellschaft” - ennere Schuld, wo de Verurteilti mit sinnere Hiirichtig zahle müessi. Aber da drunter cha me sich nüt vorschtelle. Ds einzige wo für mich zellt het, isch d’Möglichkeit, abzhaue, ihrem bluetrünschtige Ritual entcho; en Flucht id Freiheit, wo mier en Momänt d’Hoffnig cha zrugggäh; s’isch wie bi mine Jasse, wo sini letzscht Charte zieht. Natürlich hetti all das, wo ich druf ghofft ha, wenn’s iiträtte wär, au wieder liecht chönne zerschtört wärde: En Chugle in Rugge oder es Feschtgnoh-wärde uf de Flucht. Aber ich ha ja nid emal das gha! Ich bi da wie innere Muusfalle gfange gsi, unwiderrueflich. So sehr ich’s au versuecht ha, han ich die Gwüssheit nid chönne aanäh. Wenn me’s gnau aaglueget het, het me gmerkt, dass es Missverhältnis beschtaht zwüschet mim Richtschpruch und em Ratteschwanz vo Konsequänze, wo dä Richtschpruch generiert het. D’Tatsach, dass de Richtschpruch am achti am Namitag - und nid am füfi -; D’Tatsach, dass dänn alles ganz anders hetti chönne usecho; dass es vo Mänsche verläse worde isch, wo ihri Unterhose müend wächsle; und dass es im Name vonnere zimlich vage Entität gfällt worde isch: em französische Volk (Wieso eigentlich nid s’düütsche Volk oder s’chinesische?) - Alli die Tatsache händ em Grichtsurteil i mine Auge irgendwie de Bode unter de Füess wägzoge. Aber nume i mine Auge - dänn s’Grichtsurteil isch eso sehr feschtgschtande und zwingend gsi, wie biischpillswiis d’Wand wo ich i de Zälle drahglähnt bi. Wenn mier söttigi Gedanke cho sind, han ich mich an en Gschicht erinneret, wo mier mini Mueter mängisch über min Vater verzellt gha het. Ich ha ihn nie gkännt gha. Fasch alles, was ich über ihn weiss, han ich vo minnere Mueter erfahre. Biischpillswis het si mier mal verzellt, dass min Vatter emal en Hiirichtig sig ga aaluege. De blossi Gedanke da dra het ihm de Mage umdreit. Aber är isch d’Hiirichtig trotzdäm ga luege - und isch mit ganz verdorbnem Mage heicho. Früeher han ich mim Vatter sis Verhalte rächt abschtossend gfunde. Aber jetzt han ich’s verschtande: äs isch ganz natürlich gsi. Wie han ich chönne überseh, dass nüüt wichtiger isch als en Exekution? Exekutione sind doch z’einzige, wo en Mänsch sich würklich uufrichtig defür interessiere cha! - vo däm Schtandpunkt us gseh. Ich ha beschlosse, dass ich - falls ich je uf freiem Fuess bi - kei Hiirichtig verpasse. Es isch dumm vo mier gsi, a die Möglichkeit z’dänke: Für en churze Momänt han ich mier vorgschtellt, in Freiheit z’sii; hinter em Polizei-Abschperrband, sozsäge uf de richtige Siite, und als Zueschauer d’Hiirichtig z’gseh, dena chönne heizgah und mich z’übergäh. Die Vorschtellig het mis ganze Dänke in en Jubelzueschtand versetzt. Äs isch aber unvernünftig gsi, mini Gedanke derart abhebe z’lah: Schüttelfroscht isch mer id Chnoche gfahre und ich ha mich müesse id Wulledechi iirolle. Mis Gebiss het gklapperet und nümme wölle ufhöre demit. Aber me cha ja nid immer vernünftig si. En andere luschtige Spleen vo mier isch es gsi, mier neui Gsetz uuszdänke, mit andere Schtrafe. Z’Ziel isch gsi - i minnere Vorschtellig - de Verurteilte en Chance z’gäh. Au wenn’s nume en chlini Chance isch, zum Bischpill 1 zu 1000. Es müessti doch irgend es Gift gäh, wo nume 999 vo 1000 Patiänte (Ich ha würklich „Patiänte“ dänkt) tötet. Z’wichtige wär, dass de Verurteilti wüssti, dass är en Chance het. Nach all däne Gedanke bin ich zum Schluss cho, dass de Fehler vo de Guillotine isch, dass sie em Verurteilte überhaupt kei Chance übriglaht. Em Patiänt sin Tod isch 100 % und unumgänglich beschlosse. Es isch es total voruusplants Schicksal. Falls - us irgendeme glückliche Zuefall - ds Mässer nid haut, dänn fönds halt wieder vo vorne a. 

Es lauft alles da druf use, dass em Verurteilte jedi Hoffnig gnoh wird - de Apparat funktioniert immer. Das - han ich dänkt - isch de Fehler im Syschtem. Mini Meinig isch vernünftig gsi, aber irgendwie mues ich zuehä, dass genau da drin d’Effiziänz vom Syschtem beschtaht. Es isch bi de Guillotine sogar eso, dass de Verurteilti hoffe mues, dass ds Mässer guet schnidet und alles funktioniert - är mues also im Chopf mit sine Hänker kollaboriere. Öppis anders, was ich zum Thema Hiirichtig feschtgschtellt ha: Ich ha bis jetzt en ganz falschi Vorschtellig vo sonnere Guillotine gha, ich ha immer dänkt, me müessi en chlini Schtäge ufelaufe, uf es Schaffott, zum guillotiniert wärde. Villicht han ich die Vorschtellig wäg de Revolution vo 1789 gha; vo all däm, wo ich i de Schuel drüber glernt ha, vo däne historische Zeichnige. Aber einisch han ich es Foto i mene Zytigsartikel über d’Hiirichtig vo mene berüemte Kriminelle gseh, wo en moderni Guillotine zeigt het: In Tat und Wahrheit schtaht d’Guillotine äbenärdig uf em Bode. De Apparat isch nid sehr beiidruckend, sondern vill chliner, als ich dänkt hetti - die simpelschti und profanschti Sach vo de Wält. De Apparat isch glatt und nüchtern gsi, so hett ich ihn mier nid vorgschtellt. Es het mich erschtunt. Im Vordergrund isch nume sini Funktionalität und sini Prezision gschtande. 

Me het immer übertribnigi Vorschtellige vo däne Sache, wo me nid kännt. Jetzt han ich müesse zuegäh, dass es en sehr simple Prozäss isch, mit de Guillotine hiigrichtet z’wärde: D’Maschine schtaht äbenärdig, uf de gliiche Höchi wie de zum Tod verurteilti, wo uf sie zuelauft, als würd är zu meine Bekannte laufe, wo är guet kännt. Irgendwie isch das enttüschend gsi. Es Schaffot empor z’schtige, das befriediget d’Vorschtelligschraft, das isch erhabe: Aber hüt lauft d’Hiirichtig maschinell ab, du wirsch diskret tötet, es bizeli beschämt und unheimlich effiziänt. Äs het no zwei anderi Sache gäh, wo ich immer dra dänkt ha: De Sunneufgang und mini allfälligi Begnadigung. Ich ha aber versuecht, nid da dra z’dänke. Ich bi uf de Rugge gläge und ha in Himmel gluegt und mich zwunge, dä Himmel z’schtudiere. Ich ha gwüsst, dass d’Nacht chunnt, sobald är grüenlich wird. Öppis anders wo ich gmacht ha, zum mich vo mine Gedanke ablänke, isch gsi, dass ich uf mini Härzschleg glost ha. Ich ha mier nid Chönne vorschtelle, dass das dumpfe Chlopfe, wo mich scho immer begleitet het, je chönnti verschtumme. Aber Vorschtelligschraft isch no nie mini Schterchi gsi. Trotzdäm han ich jetzt versuecht, mier en Momänt vorzschtelle, wo min Härzschlag nümme i mim Chopf wiederhallt. Aber vergäblich. De Sunneuufgang und mini Begnadigung sind mer immer no im Chopf umegschwirrt. Ich bi zum Schluss cho, dass es blödsinnig seyg, z’versueche, de natürlich Lauf vo de Gedanke manipuliere z’wölle. So vill ich weiss, holed d’Gedanke eim immer wieder ii; immer bi Sunneuufgang packed’s eim wieder. Darum han ich alli mini Nächt demit verbracht, uf dä Sunneufgang z’warte - will ich mich nid gärn überrasche la. Wenn öppis passiert, will ich bereit dezue si. Darum han ich versuecht, am Tag z’Schlafe und defür i de Nacht de Himmel aazluege. Ich ha immer wölle Uusschau halte nach em erschte drohende Zeiche vom Tagesabruch. Die schlimmschti Zyt vo de Nacht isch die unsicheri Schtund gsi, wo sie übelicherwiis chömed, wenn’s öppert begnadiged. Einisch, nach Mitternacht, han ich schtill gwartet und glost. Nie i mim Läbe händ mini Ohre so vieli Grüsch wahrgno, und au so lisligi. Glücklicherwiis han ich dänn nie Schritt im Gang gchört. Mini Mueter het immer gseit: Egal wie schlächt’s eim gaht, gits immer öppis wo no chönnt schlimmer cho. Jede morge, wo’s Liecht vom neue Tag i mini Zälle cho isch, han ich ihre müesse Rächt gäh: Ich hetti nämlich chönne Schritt gchört ha, und dänn wär ich enttüscht, wenn me mich nid begnadiget hetti. Z’lisligschte Grüsch het dezue gfüehrt, dass ich mis Ohr gäge die ruchi chalti Holztüre presst ha, zum lose; dänn han ich min eigene Atem gchört, wo gsi isch wie’s hechle vo mene Hund. Mis Härz het jewils bebt vor Uufregig, ich ha immer Glück gha, wenn ich kei Schritt gchört ha, isch es nid explodiert und ich ha wiiteri 24 Schtunde Rueh gha. Jede Tag han ich müesse a’d Begnadigung dänke. Aber immer wenn ich dra dänkt ha, han ich äbe müesse uufpasse, dass mis Härz nid zerschpringt vor Freud. Also han ich aagfange pessimistisch z’dänke und immer de schlimmschtmöglichich Fall aaznäh: Min Begnadigung wird abglehnt. Das hetti bedütet, ich wär todgweiht. Ich hetti müesse schtärbe, - natürlich früehner als anderi - aber jede mues mal schtärbe. Mier isch iigfalle, dass äs - im grosse Zämehang gseh - eigentlich kei Unterschied macht, ob eine mit drissg oder mit sibzg Länze schtirbt - es git ja immer no anderi Manne und Frau, wo wiiterläbed, ds Läbe wird wiitergah. Ob ich also jetzt oder vierzg Jahr schpöter schtirbe: De Tod isch unvermiidbar. Trotzdäm sind die Gedankegäng irgendwie nid tröschtend gsi; won ich a all die verlorene Jahr dänkt ha, isch das es vergällends Gfühl gsi. Wie au immer: Ich ha mich da chönne drusrede, indäm ich mer vorgschtellt ha, wie ich mich würd fühle, wenn d’Zyt abgloffe wär und de Tod vor de Tür schtah würd. Wenn me schtirbt, dänn schpillts kei Rolle, wie und wänn und wo. Also - und ich ha Müeh gha, das „also“ vor mier plausibel z’bhalte - sött ich vorbereitet sii für de Fall, dass min Begnadigung abglehnt wird. Jetzt - erscht jetzt - han ich mier sälber d’Erlaubnis gäh, drübert nachzdänke, wies wär, wenn mini Begnadigung aagnoh wärde würdi. Z’Problem isch gsi, die Fluet vo Freud iizdämme, wo durch mich gruuscht isch und mier Träne id Auge drückt het. Aber ich ha mini Närve chönne drossle und mini Gedanke beruhige. Ich ha au die optimistische Variante müessi nüchtern duredänkt, süscht hetti ich de erschte, pessimistische, Variante ihre Troscht gnoh und si weniger plausibel gmacht. Wenn ich demit Erfolg ha, gwünn ich jewils en Schtund gedankliche Fride; und das isch öppis wärt. 

Ich grad no einisch de Bsuech vom Gfängnisseelsorger abglehnt. Ich bi uf em Bode gläge und ha de Summerabig anhand vo mene sanfte goldige Glühe über em Himmel chönne gseh cho. Ich ha grad vorhär in Gedanke „mini Begnadigung abglehnt“, darum han ich mis Bluet langsam und ruckwiis zirkuliere gchört, und de Seelsorger nid wölle gseh. 

Dänn han ich öppis gmacht, wo ich scho lang nümm gmacht ha: Ich bi em Gedanke a d’Marie verfalle. Sie het zwar scho lang nümm gschribe. Vermuetlich schiist’s si aa, d’Fründin vo mene zum Tod Verurteilte z’sii. Oder vilicht isch si chrank oder tot? Das chönnti alles möglich si. Wie het ich’s chönne wüsse? Eusi zwei Körper sind jetzt ja trännt, und darum beschtaht kei Verbindig me zwüschet eus. Nüt erinneret eus anenand. Falls sie tot isch, dänn bringts mier nüt me, mich a sie z’erinnere; ich cha nüt aafange mit ere tote Fründin. Die Gedanke händ mich ganz sälbschtverschtändlich dunkt. Au wenn ich tot bin, wärdet mich d’Lüüt vergässe. Ich cha nid emal säge, dass dä Gedanke hart gsi wär; Äs git kei Gedanke, wo me sich nid irgendwenn dra gwöhne chönnt. So wiit bin ich mit mine Gedanke cho, bis ich unterbroche worde bi: De Seelsorger ich inecho, ohni Vorakündigung. 

Ich bi chli verschrocke, wo är eso ineplatzt isch. Är het mis Zämezucke bemerkt und gseit, ich söll kei Angscht ha. Ich ha ihm gseit, dass Bsuecher normallerwiss um en anderi Zyt chömed. Är het gseit, är bsuechi mich in fründlicher Absicht; äs heyg au nüt mit de Begnadigung z’tue, wo är nüt devo wüssi. Är isch uf mis Bett gsässe und het mich bätte, näbe ihn z’sitze. Ich ha abglehnt - nid will ich öppis gäge ihn het. Är het uusgseh wie en sanfte, liebenswürdige Ma. Am aafang het är nüt gseit, het sini Ärm uf de Chnüü gha und sini Händ aagschtarrt. Är het schmali aber sehnigi Händ gha, wo mich a zwei chlini flinki Tier erinneret händ. Är het si sanft gägenenand griebe. Är isch so lang daagsässe, dass ich fascht vergässe het, dass är dörtsitzt. Plötzlich het är sin Chopf ghobe und mier id Auge gluegt und mit müeder Schtimm gschtönt:“Wieso lehned Sie mini Bsüech ab?“ Ich ha erklärt, dass ich nid a Gott glaube. „Sind Sie sicher?“ Ich ha kei Grund gfunde, mier über das Thema de Chopf z’zerbräche. Ob ich dra glaubi oder nid, das isch en unwichtig frag gsi. Är het sich gäge d’Wand glehnt und wieder d’Händ uf d’Oberschänkel gleit. Är het ohni mich aazluege gseit, mängisch meine me nume, dass me sicher seyg - obwohl me gar nid würklich sicher seyg. Ich ha nüt gseit und är het mich gfrögt: „Meined Sie nid au?“ Ich ha gseit, das chönni scho si. Aber obwohl ich mier nid sicher cha si, was mich interessiert, chan ich mier sicher si, was mich überhaupt nid interessiert; Und die Frag, wo är uufgworfe heyg, interessiert mich überhaupt nid. Är het wägglueget und - ohni sini Schtellig z’ändere - gfrögt, ob ich nid us üsserschter Verzwiiflig eso rede würd. Ich ha ihm gseit, dass ich nid verzwiiflet sey, sondern ganz eifach Angscht heyg - und das seyg ganz natürlich. „I däm Fall“ het är gseit „chönnti ihne Gott hälfe.“ Alli Lüt, wo i minnere Situation seyged, heyged sich i ihrere Not a Gott gwändet. Ich ha gseit, das schtündi jedem frei, aber ich heygi kei Zyt, mich für Sache z’interessiere, wo mich nid interessiered. Är het sini Händ verworfe , isch uufgsässe und het sini Soutane glattgschtriche. Wenn er demit fertig gsi isch, het är wieder aagfange rede und mich debi sin „Fründ“ gnännt. Är het gseit är redi nid nume darum eso mit mier, will ich zum Tod verurteilt seyg; dänn nach sinnere Meinig seyg jede Mänsch uf de Ärde gwüssermasse zum Tod verurteilt. Ich ha ihn unterbroche und gseit, das seyg nid z’gliichlige, das chönn me nid vergliiche und das seyg au kei Troscht. Är het gnickt „Vilicht. Aber falls sie nid bald schtärbed, schtärbet sie irgendwenn süscht. Und i beidne Fäll schtellt sich die gliichi Frag: Wie begägne ich däre schreckliche letschte Schtund?“ Ich ha ihm gseit, ich würdi ihre genau so begägne, wie ich ihre jetzt scho entgägeluege. Dänn isch är uufgschtande und het mier diräkt i’d Auge gluegt. Das isch es Schpil wo ich guet kännt ha. De Emmanuel und de Céleste und ich händs mängisch gschpillt; meischtens han ich verlore. De Gfängnisseelsorger isch en Könner gsi, dänn sin Blick isch nie abgschweift. Sini Schtimm isch flüssig gsi, wonner gseit het: „Händ Sie dänn überhaupt kei Hoffnig? Dänked Sie, dass sie mit Huut und Haar schtärbe müend und nüüt vo ihne übrigbliibt?“ Ich ha gseit „Ja“ und är het d’Auge zueklappt und isch abgsässe. 

Är het gseit, ich teygi ihm leid. Ds Läbe müessi unushaltbar sii, wenn me dänki wie ich. De Seelsorger het aagfange, mich z’langwiile. Ich ha ei Schultere a de Wand abgschtützt gha, und halbä zum Fänschter usegluegt. Obwohl ich mich nümm fescht um das kümmeret, wo är verzellt het, han ich mitübercho, dass är mier immer no is Gwüsse redt. Sin Ton isch läbiger worde, verzwiiflet und är het mich unbedingt überzüüge wölle. Ich ha wieder interessierter ta. Är het gseit, är hoffi, dass mins Begnadigunggsuech aagnoh wärdi, aber ich heygi en grossi Schuld, wo ich müessi abbaue. Us sinnere Sicht seyg ds wältliche Gricht nüt wärt - nume z’göttliche Gricht zelli. Ich ha gseit, dass es ja ds wältliche gsi seyg, wo mich verurteilt heyg. „Ja“, het är zuegschtumme, aber äs hetti mich nid vo mine Sünde greiniget. Ich ha ihm gseit, dass ich mier keinere „Sünd“ bewusst seyg; sondern emene Verbräche. Ich zahle mini Schuld defür, und niemert cha me vo mier verlange. Dänn isch är scho wieder uufgschtande - ich ha gfunde, dass är - wenn är sich i däre änge Zälle wett bewege - ja gar nüt anders cha mache, als uufschta und absitze. Ich ha de Bode aagschtarrt. De Seelsorger het en Schritt uf mich zue gmacht und dänn isch är schtablibe, als würd är sich nid nöcher äne traue. Är het durch d’Gitterschtäb in Himmel gluegt. „Du hesch nid rächt, min Sohn“ het är mit Nachdruck gseit, “Me cha meh als das vo dier verlange. Und villicht wird mes vo dier verlange.„ - „Was?“ - „Me wird vo dier verlange, dass Du gsehsch…“ - „Was gseh?“ . Är het langsam i minnere Zälle umeglueget und ich bi erschtuunt gsi über’d Truurigkeit i sinnere Schtimm, wenn är gantwortet het:“Die Wänd us Schtei känn ich guet, si triefed vor mänschlichem Leid. Ich ha sie nie ohni Beklommeheit aagluegt. Und - glaub mier, dänn ich Rede us de Tüüfi vo mim Härz - ich weiss, dass sogar die schlimmschte vo euch us däm graue Schtei es göttlichs Gsicht händ uufblitze gseh. Das Gsicht wird me vo ihne verlange z’gseh.“ Das het mich e chli verruckt gmacht. Ich ha em gseit, dass ich die Wänd scho monatelang aaluegi, und nüt und niemert besser als die Wänd kanni; dass ich aber nie öppis heyg us däne Schtei tropfe gseh. Und aafangs heyg ich villicht es Gsicht drin versuecht z’gseh; aber äs isch immer es sunnebrüünts Gsicht voller Verlange gsi, wo ich drin gfunde heyg - de Marie ihres. Ich ha das Göttergsicht nie gfunde, und drum suech ich’s au nümm. Är het mich irgendwie truurig aaglueget. Ich ha min Rugge zu de Wand dreit und ds Liecht isch mer über d’Schtirn gflosse. Är het es paar Wort gmurmlet, wo ich nid verschtande ha; dänn het är plötzlich gfrögt, ob är mich küsse döf. Ich ha gseit „Nei“. Dänn het är sich umdreit, zu de Wand und isch mit de Hand drübergfahre. „Liebed Sie die Ärde würklich so sehr?“ het är liislig gfrögt. Ich ha nid gantwortet. Är het zimlich lang sini Auge abgwändet gha. Sini Aaweseheit het mich immer me gnärvt, ich ha em grad wölle säge, är sölli bitte usega; aber genau dänn het är sich umdreit und mich aaprediget: „Nei, nei, das glaub ich ihne nid! Ich bi sicher, dass Sie sich scho hüüfig es neus Läbe gwünscht händ“. Ich ha em gseit „Sicher, das wünscht sich doch jede. Aber das isch genau so unsinnig, wie wenn me sich wünscht, rich z’sii, schnäll schwümme z’chönne oder es schönners Muul z’ha… All die Wünsch liggid doch uf de gliiche Linie.“ Är het gfrögt, wie ich mier das Läbe wünschi „Es Läbe, wo ich mich a mis erschte erinnere cha!“ Im gliiche Atemzug han ich gseit, dass ich jetzt möcht wieder allei si. Aber är het mer schiinbar no meh über Gott z’verzelle gha. Ich bi zu ihm änegange und ha versuecht, ihm z’erkläre, dass ich nümme vill Zyt ha, und dass ich die wenigi Zyt nid mit Gott vertrödle möcht. Är het versuecht, z’Thema z’wächsle und het mich gfrögt, wieso ich ihn nie „Vatter“ nänni. Ich bi no meh irritiert gsi und ha gseit, är seyg nid min Vatter, är seyg uf de Siite vo de andere. „Nei, nein, min Sohn“ het är gseit und mer d’Hand uf d’Schultere gleit. „Ich bi uf ihrere Siite, aber sie gsehnd das nid - will ihres Härz verschteineret isch. Aber ich wirde für Sie bätte.“ 

Wo är das gseit het, isch mier plötzlich en Sicherig durebrännt. Ich ha agfange, us vollem Hals z’schreie, und ha ne beschimpft, und ha nem gseit, är söli nid bätte. Ich ha ne bim Chrage vo sinnere Soutane packt. Ich ha mit gmischte Gfühl us Wuet und Freud mis ganze Härz über ihm uusgschüttet. Är seyg sich so sicher, nid wahr? Aber keini vo sine Gwüssheite seyg au nume z'Haar vonnere Frau wärt. Är seyg sich ja nid emal sicher, dass är läbi, will är läbi wie en Tote. Äs gsegi us, als schtündi ich mit lehre Händ da. Aber ich seyg mir über mich sälber sicher, allem sicher, sicherer als är. Mis Läbe seyg mer sicher, und de Tod wo chiem seyg mer sicher. Ja, ich heyg nid meh als das. Aber ich bsitzi wenigschtens die Wahrheit, und sie bsitzi mich. Ich heyg hüt rächt, ich heyg morn rächt und ich heyg immer rächt. Ich heyg eso gläbt, und ich heyg au anders chönne läbe. Und wiiter? Es seyg so gsi, als hetti ich die ganzi Zyt uf dä Moment, uf dä chlini Sunneufgang gwartet, hüt oder a mene andere Tag, won ich grächtfertiget würdi. Nüt, gar nüt seyg wichtig, und ich wüssi au warum. Und är wüssis au. Us de Tüüfi vo minnere Zuekunft schtigi nämlich während däm ganze absurde Läbe, en dunkle Atem zu mier uf, dur all die Jahr dure, wo no chömed, und dä Atem walzi uf sim Wäg all das platt, wo me mier i de genauso irreale Jahr bote het, wo ich erläbt heyg. Was würdid mich d’Töd vo de anderne Lüüt kümmere, d’Liebi vonnere Mueter, sin Gott; seyg’s wichtig, wie de einzelni Mänsch läbe wölli, wöles Schicksal, är sich uuszsueche chönne glaubi, obwohl alli Mänsche ja vom gliiche Schicksal erwartet würded; nid nume ich, sondern au Millione vo andere privilegierte Lüüt, wo sich - wie är - mini „Brüedere“ nänne würded. Ob är das begrifi? Jede Mänsch seyg privilegiert, äs gieb nume Privilegierti. Alli würdid einisch zum Tod verurteilt wärde; au är - wie alli andere. Was würdi das usmache, wenn är - will är a de Beärdigung vo sinnere Mueter nid brüelet hetti - zum Tod verurteilt würdi, wo doch am Schluss so oder so alles glich isch? Em Salamano sini Frau seyg gliich vill wärt wie sin Hund. Die chlini Roboterfrau isch gliich schuldig wie d’Pariserin, wo de Masson ghüratet het oder wie d’Marie, wo mich het wölle hürate. Was schpillis für en Rolle, dass de Raymond genau glich fescht min Fründ isch wie de Céleste, obwohl de Céleste nid kriminell seyg? Was schpillis für en Rolle, dass d’Marie i jedem Momänt emene neue Meursault ihri Lippe würd aabüüte? Begriifi är, wo ja au verurteilt seyg, nid, dass de dunkli Atem us de Zuekunft…. Mier isch d’Luft uusgang, will ich so gschroue ha. Genau dänn sind d’Wärter inecho und händ mer de Seelsorger wäggnoh. De Seelsorger het d’Wärter beruhigt und mich dänn für en churze Momänt aaglueget. Ich ha gseh, dass är Träne i de Auge gha het. Är het d’Zälle verlah. 

Wonn är gange gsi isch, bin ich innerlich ruhig gsi. Aber das ganze Schreie het mich ermüedet, und ich bi ufs Schlafbrätt plumst. Ich ha vermuetlich gschlafe, dänn wenn ich uufgwachet bi, han ich scho d’Schtärne am Himmel chönne gseh. Sanft sind Grüsch vom Land und chüeli Luft inecho, vermischt mit Grüch nach Ärde und Salz; si händ mini Wange gchützlet. De wunderbari Friede vo däre Summernacht isch wie en Wälle durch mich duregflosse. Grad bi Tagesaabruch han ich d’Sirene vo mene Dampfschiff gchört. Lüüt sind in en Wält greist, wo mier für immer gliichgültig gsi isch. Zum erschte Mal sit langer Zyt han ich a mini Mueter dänkt. Jetzt han ich verschtande, warum sie sich am Änd vo ihrem Läbe en Brütigam uusgsuecht het; wieso sie gschpillt het, sie würdi alles no einisch vo vorne aafange. Au dört, i däm Altersheim, wo’d Läbe vergönd, isch de Aabig wie en friedliche Waffeschtillschtand. Wo de Tod ihre so nöch gsi isch, het si sich sicher wie befreit gfühlt, und bereit, alles no einisch z’erläbe. Niemert, niemert het z’rächt, um sie z’brüele. Und au ich ha mich bereit gfühlt, alles no einisch z’erläbe. Die grossi Wuet het mich vom Böse greiniget, mich vo de Hoffnig befreit. Won ich de dunkli Himmel voller Zeiche und Schtärne aaglueget ha, han ich zum erschte Mal mis Härz göffnet für d’Gliichgültigkeit vom Universum, und gschpürt, dass sie mier sälber so ähnlich isch, so brüederlich. Ich ha begriffe, dass ich glücklich gsi bi, und dass ich’s no immer bi. Damit alles perfekt isch, damit ich mich weniger allei fühle, muess ich nume no hoffe, dass am Tag vom innere Exekution vill Lüüt dört sind, und dass sie mich mit Schreie voller Hass begrüessed. 

*

//////////////////////////////////////////////////////////////////////////

übersetzt durch: www.TransTextMedia.ch

//////////////////////////////////////////////////////////////////////////

Kostenlose Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!